Moderne Verkehrserziehung: Sinne schulen
21. März 2007
Vier Vorschulparlamente trafen sich dieser Tage zu einem gemeinsamen Workshop in den Berufsbildenden Schulen Syke. Fünfzehn ehrenamtlich arbeitende Moderatorinnen und Moderatoren der Vorschulparlamente aus den
Städten Braunschweig, Diepholz, Kassel und Rostock stellten bei angehenden Erzieherinnen die Weichen für ihre zukünftige Verkehrssicherheitsarbeit in Kindergärten, Kindertagesstätten und ähnlichen
Einrichtungen. Dabei bedienten sich die Moderatorenteams selbstentwickelter, aussergewöhnlich praxisnaher Programme zur Schulung der Sinne HÖREN, SEHEN, FÜHLEN, RIECHEN und SCHMECKEN.
Die Moderatorenteams aus Braunschweig, Diepholz, Kassel und Rostock hatten in einigen Räumen der Berufsbildenden Schulen Syke ihre selbstentwickelten, höchst anschaulichen und in besonderem Masse erlebbaren
Materialien aufgebaut: In einem Raum benutzten die Erzieherinnen in spe bunte Röhren, Kästen, Trommeln und andere "Geräuschmacher" zum Thema "HÖREN". In einem anderen Klassenzimmer gab es
Fantasievolles zu SEHEN, in bunten Farben und Formen, unterschiedlichste wie gleichausschauende Dinge zum Betrachten und unterscheiden. "FÜHLEN" und zuordnen lassen sich Dinge auch mit geschlossenen
Augen, wie die Studierenden in Syke mit Händen und Füssen erlebten. Gerüche lassen sich erschnuppern, Zustimmung oder Abneigung auslösen. Die spannenden Erfahrungen betrafen körpernahe wie körperferne Sinne:
Fachleute sprechen vom "Taktilen System" (Tastsinn: Druck, Schmerz, Temperatur), dem "Kinästhetischen System" (Bewegung, Stellung, Tiefensensibilität), hinter der wissenschaftlichen Bezeichnung
"Vestibulär" verbirgt sich der Gleichgewichtssinn, das "Gustatorische System" ist in der Alltagssprache der Geschmackssinn, das "Olfaktorische System" bedeutet Geruchssinn. Die
körperfernen Sinne wie Hören (Auditives System) und Sehen (Visuelles System. Sie alle gehören zum berühmten "Siebten Sinn", den jeder Mensch seit der Evolution besitzt.
Mit den Sinnen arbeiten die Moderatoren in den Vorschulparlamenten, wenn sie den Kindern spielerisch sicheres Verkehrsverhalten nahe bringen. Wichtige Partner bei dieser Wissensvermittlung an die Multiplikatoren aus
Kindergarten, Tagesstätte oder Vorschule sind in den einzelnen Vorschulparlamenten engagierte Frauen und Männer vorwiegend aus Erziehungsberufen und der polizeilichen Verkehrserziehung. In 16 deutschen Städten
betreiben vorwiegend Mitglieder der lokalen oder regionalen Verkehrswachten die Vorschulparlamente, die sich anhand der neuesten Erkenntnisse und mit eigenen ideenreichen Programmen dafür einsetzen, dass
Kinder im Straßenverkehr weniger gefährdet sind.
Moderne Verkehrserziehung bedeute "die Sinne schulen" erläutert die Sprecherin der vier Moderatorenteams, Marita Gill. Die Kindergartenleiterin aus Kassel führt das Vorschulparlament in ihrer Heimatstadt
seit 25 Jahren. Jedes Parlament hat sein eigenes Spielmaterial entwickelt, das dabei hilft, dass Kinder nicht mehr stereotyp auswendig lernen müssen, um sich in einer "sinnesfeindlichen Umwelt" sicherer
behaupten zu können. Marita Gill und ihre Mitstreiter in den Vorschulparlamenten erleben es beinahe täglich: In unserer "verkopften" Gesellschaft verschwindet das körperliche, das sinnliche Erleben
immer mehr, so dass sich die sinnhafte Wahrnehmung der Kinder überwiegend auf sehen und hören beschränkt. "Kinder gehen nicht mehr nach draußen und von ihren Eltern
erfahren sie auch nicht mehr viel, weil zu Hause nicht mehr miteinander geredet wird!"
lvw/dik
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