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Es gibt wenig Konzepte in der deutschen Verkehrssicherheitsarbeit, die sich wirklich bewährt haben.
Zwar wird, man lese nur in ungläubiger Ehrfurcht staunend die einschlägigen Vereinszeitschriften, andauernd von bewährten und natürlich höchst erfolgreichen Programmen geredet. Das gehört so, es ist eine der
ritualisierten Übungen im szeneüblichen Marketing. Mit der wirklichen Wirklichkeit hat das meistens nichts zu tun. Zu den rühmlichen Ausnahmen gehören die Vorschulparlamente. Was erfolgreich ist, hält
sich lange. Das sieht man im Hinblick auf den Prozess der Evolution an Haifischen und Kellerasseln ebenso wie an Konzepten zur Förderung der Verkehrssicherheit. Was ist wirklich erfolgreich? Die
Jugendverkehrsschulen sind rund fünfzig Jahre alt und erreichen praktisch 95% eines Jahrgangs, die Radfahrturniere des ADAC sind etwa 30 Jahre alt und die Kids kommen jedes Jahr in Massen, mehr als zu jedem anderen
verkehrserzieherisch gemeinten Ereignis, dessen Besuch freiwillig ist. Dann wird es schon übersichtlicher. "Kind und Verkehr" könnte man nennen, zwanzig Jahre alt, aber inzwischen eher zu den Dinos zu
rechnen, die bekanntlich ausgestorben sind. Und eben die Vorschulparlamente, auch zwanzig Jahre alt. Um jetzt schon den korrigierenden Anmerkungen zuvorzukommen, sei gesagt: es gibt noch die Beleuchtungsaktion der
DVW, die Schülerlotsen und den ,,7. Sinn". Die gibt es auch schon sehr lange. Aber dann ist Schluss. Es ist also eine feine kleine Gesellschaft, in der sich die Vorschulparlamente etabliert haben.
Der Name ist ein Unding
Vorschulparlament. Was ist ein Vorschulparlament und warum heisst es" Vorschulparlament"? Der Name ist, offen gesagt, ein Unding, das allerdings inzwischen zum
Markenartikel aufgestiegen ist. Fast trotzig haben Daimler Benz AG, die Verkehrswacht und die Beteiligten selbst an dieser wirklich bescheuerten Namensgebung festgehalten, von der niemand mehr weiss oder wissen
will, woher sie stammt oder welcher begabte Öffentlichkeitsmensch seinerzeit auf die Idee gekommen ist, eine Bürgerinitiative ausgerechnet mit diesem Namen zu bestrafen. Bürgerinitiative, richtig. Damals, in den
siebziger Jahren, gab es jede Menge Bürgerinitiativen; fast alle von ihnen waren gegen etwas. Sie waren gegen Startbahnen, Atomwaffen oder die Verschmutzung der Nordsee. Wenige Bürgerinitiativen waren für etwas.
Die Vorschulparlamente waren und sind bis heute nichts anderes als eine dieser ursprünglichen Bürgerinitiativen, die für etwas arbeiten. Sie bezeichnen sich auch als "Arbeitskreise", Arbeitskreise der
Verkehrswacht. Das klingt auch irgendwie nach der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen oder dem Arbeitskreis bibeltreuer Christen. Genau genommen ist ein Vorschulparlament weder ein Parlament noch ein
typisch deutscher "Arbeitskreis".
Mitmachen kann jeder
Ein Vorschulparlament ist eine Gruppe von Erwachsenen, die an einem Ort und in seiner näheren Umgebung sich dafür einsetzen,
dass Kinder im Strassenverkehr weniger gefährdet sind. Das tun sie, indem die ein ganzes Bündel von Massnahmen ergreifen, die man zusammenfassend als "lokale Verkehrssicherheitsarbeit" beschreiben kann.
Schwerpunkt ihrer Aktivitäten sind allerdings Verkehrserziehung und Verkehrsaufklärung, auch und gerade anderen Erwachsenen gegenüber : Eltern, Erziehern, Lehrern, Autofahrern, Politikern, Unternehmern,
Grundstücksbesitzern und Zeitungsredakteuren. Die Mitglieder dieser eher losen und offenen Gruppe, die keinen Beitrag, keinen Schriftführer, keine Satzung und kein Schiedsgericht kennt, kommen aus ganz
verschiedenen Berufen, es überwiegen aber Vertreter aller möglichen Erziehungsberufe und Mitarbeiter in der polizeilichen Verkehrserziehung. Mitmachen kann jeder, der Interesse an Kindern hat und etwas für deren
Verkehrssicherheit tun will. Man muss nicht Mitglied der Verkehrswacht werden und man kann auch seinen alten Renault weiterhin fahren. Eigentlich kann man in diese Gruppe nicht einmaI richtig eintreten, folglich
auch nicht richtig austreten. Nichts ist, wie es sonst im deutschen Verein ist. Um auf den alten Renault zurückzukommen, der auch ein Toyota sein kann, muss gesagt werden, dass zwar niemand in einem
Vorschulparlament Geld verdient. Er muss aber auch kein Geld mitbringen, denn das kommt von Daimler-Benz und sonst von niemand.
Geld ist da
Daimler-Benz unterstützt seit 20 Jahren die Vorschulparlamente, von denen es derzeit 36 Stück gibt, verteilt
über die gesamte Republik. Diese Unterstützung ist einfach und übersichtlich. Pro Jahr erhält ein Vorschulparlament 10.000 DM aus der Firmenkasse. Es gibt praktisch keinen Papierkrieg, es müssen nicht seitenlange
Formulare wie bei der Einkommensteuererklärung ausgefüllt werden. Vereinfacht gesagt: Das Geld ist da, es kann losgehen. Im Gegensatz zu Programmen, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden, ist schon alleine
dieser Umstand nicht nur bemerkenswert. Er ist im wörtlichen Sinne Geld wert, weil er für die, die schließlich die Arbeit vor Ort machen, Motivation schafft oder zumindest erhält. Erleichtert wird die gezielte
Vermindern des Verwaltungskrams auch dadurch, daß seit 20 Jahren dieselbe Agentur, nämlich die Dr. Courts KG in Köln, im Auftrag und natürlich auf Kosten von Daimler-Benz die Vorschulparlamente nicht nur berät,
sondern sie auch organisatorisch entlastet. Was macht dann eigentlich noch die DVW? Gute Frage. Es gibt auch gute Antworten.
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