Geschichten und Lieder 3
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Der „Strafzettel“

Heinz schaute noch einmal genau auf seinen Tacho, bevor er langsamer wurde: über 70km/h in einer 50er Zone.
Das vierte Mal in vier Monaten! Wie konnte man denn so oft erwischt werden? Als er sein Auto auf 10 km/h abbremste,
lenkte Heinz nach rechts und hielt schräg stehend an.
Vielleicht streifte ein nachfolgender Wagen sein Heck mit dem Spiegel. 
Sollte sich der Bulle doch über diese Verkehrsgefährdung aufregen.
Der Polizist stieg aus seinem Auto aus, mit einem dicken Notizbuch in der Hand.
Jochen?
Jochen aus der Kirche?
Heinz sank tiefer in seinen Sitz. Das war nun schlimmer als der Strafzettel.
Ein gläubiger Bulle erwischt jemanden aus der gleichen Kirchengemeinde.
Jemanden der etwas angespannt war nach einem langen Tag im Büro. Jemanden mit dem er morgen Golf spielen wollte.
Als er aus seinem Auto sprang, stand er vor dem Mann, den er jeden Sonntag in der Kirche sah.
Er hatte ihn aber noch nie in Uniform gesehen.
„Hallo Jochen. Komisch, dass wir uns so wieder sehen!“
„Hallo Heinz.“ Kein Lächeln.
„Ich schätze du hast mich erwischt, als ich es gerade eilig hatte, nach Hause zu meiner Frau und den Kindern zu kommen.“
“Ja, ich schätze auch.“ Jochen schien unsicher zu sein. - Gut.
„Ich bin die letzen Tage erst sehr spät aus dem Büro gekommen.
Ich fürchte, dass ich diesmal die Verkehrsregeln
nicht ganz beachtet habe.“
Heinz schoss einen Kieselstein an die Bordsteinkante.
„Diana erwähnte etwas von Rinderbraten mit Kartoffeln heute Abend. Verstehst du, was ich meine?“
„Ich weiß, was du meinst. Ich weiß auch, dass du nicht das erste Mal auf diese Weise auffällig geworden bist.“
Das ging in die falsche Richtung. Zeit, die Taktik zu ändern.
„Bei wie viel hast du mich erwischt?“
„Siebzig. Würdest du dich bitte wieder in Dein Auto setzen?“
„Ach Jochen, warte bitte einen Moment. Ich habe sofort nachgeguckt, als ich dich gesehen habe! Ich hatte kaum 60 km/h!“ Bei jedem Strafzettel
schien das Lügen leichter zu werden.
„Bitte Heinz, setz dich wieder in dein Auto.“
Genervt quetschte Heinz sich durch die noch immer offene Tür. Ein Knall. Türe zu. Er sah keinen Grund, das Fenster zu öffnen und starrte auf sein Armaturenbrett.

 Die Minuten vergingen.
Jochen schrieb fleißig auf seinen Notizblock. Warum hatte er nicht Führerschein und Papiere sehen wollen?
Was auch immer der Grund war, es würde ein Monat an Sonntagen vergehen, bis er sich in der Kirche wieder neben diesen Typen setzen würde.
Jochen klopfte an die Tür. Er hatte einen gefalteten Zettel in der Hand.
Heinz öffnete das Fenster nur einen kleinen Spalt, gerade weit genug, um den Zettel an sich zu nehmen.
Jochen gab ihm den Zettel durch.
„Danke“
Heinz konnte die Enttäuschung nicht aus seiner Stimme halten.
Jochen ging ohne ein Wort zu verlieren
zu seinem Streifenwagen zurück. Heinz wartete und sah ihm im Rückspiegel zu. Dann faltete er den Zettel auseinander.
Was würde ihn der Spaß wieder kosten? Hey! 
Warte mal! War das ein Witz?
 Das war kein Strafzettel.
Heinz las:
„Lieber Heinz, ich hatte einmal eine kleine Tochter.
Als sie sechs Jahre alt war starb sie bei einem Verkehrsunfall.
Richtig geraten, der Typ ist zu schnell gefahren.
Einen Strafzettel, eine Geldstrafe und drei Monate Knast und der Mann war wieder frei.
Frei um seine Töchter wieder in den Arm nehmen zu dürfen.
Alle drei konnte er wieder lieb haben.
Ich hatte nur eine und ich werde warten müssen, bis ich in den Himmel komme, bevor ich sie wieder in den Arm nehmen kann.
Tausend Mal habe ich versucht diesem Mann zu vergeben.
Tausend Mal habe ich gedacht, ich hätte es geschafft.
Vielleicht habe ich es geschafft, aber ich muss immer wieder an sie denken. Auch jetzt. Bete bitte für mich.
Und sei bitte vorsichtig, Heinz.
Mein Sohn ist alles, was ich noch habe.
Jochen“
Heinz drehte sich um und sah Jochens Auto wegfahren.
Er fuhr die Straße wieder hinab. Heinz sah ihm nach bis er verschwunden war. Erst 15 Minuten später startete er und fuhr langsam nach Hause.
 Er betete um Verzeihung und zu Hause angekommen
nahm er seine überraschte Frau und die Kinder in den Arm und drückte sie ganz fest.                                          
Quelle : unbekannt
 

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